Cabine 8 – Raumwunder oder Legebatterie?

Innenansicht einer Cabine 8 (c) Olivier Fischer

Innenansicht einer Cabine 8 (c) Olivier Fischer

In den 80er und 90er Jahren hat die französische Bahn einen Wagentyp mit neu konstruierter Innenausstattung für den Nachtverkehr getestet. Analog zu den dort noch gebräuchlichen Sitzwagen konnten 8 Reisende pro Abteil in einer Art Liegeschale die Nacht verbringen. Durch die versetzte Anordnung von Kopf- und Fußenden wurden tatsächlich ausreichende Liegenstuhl-ähnliche Plätze geschaffen. Die Konstrukteure haben dabei sogar über die Abteiltrennwand hinweg durch versetzte Armauflagen die letzten Raumreserven genutzt.

Das Angebot richtete sich vor allem an jüngere Fahrgäste mit schmalem Geldbeutel, die keinen Liegewagen bezahlen wollten: Der Wagen mit den 8er-Kabinen konnten mit normalen Fahrkarten oder Interrail ohne „supplement“ benutzt werden. Anders als auf dem Bild erinnere ich mich allerdings an eine braunbeige Kunstlederverkleidung und Plastikschalen. Die Form der Liegen gab eine Sitz-/Liegeposition vor, die durchaus bequem – bequemer als gedacht – war. Allerdings nur genau diese eine Position in Rückenlage. Was die Nacht zwischen Paris und Straßburg für Seitenschläfer dann doch lang werden ließ.

Die Wagen waren bis 1998 im internationalen und bis 2001 im französischen Nachtverkehr im Einsatz. Inzwischen sind die ehemals 20 Einheiten zu Sitzwagen umgebaut oder außer Dienst gestellt. Weitere Info und Bilder auf dieser (französischen) Seite über Reisezugwagen.

Auch wenn sich diese Art der Reisenden-Intensivhaltung wohl zu Recht nicht durchsetzen konnte – die Umsetzung eines einfachen, zuschlagfreien Basisangebots kann mit den heutigen Ruhesesseln durchaus mithalten. Bewundernswert ist vor allem der Mut, für innovative Konzepte buchstäblich über bestehende (Abteil)grenzen hinweg zu denken.

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