Zug oder Flug?

Fliegen ist doch so billig und bequem – wer fährt da schon noch mit der Bahn?

So oder ähnlich hört man es in vielen Diskussionen mit Reisenden, aber bedenklicherweise auch von unseren Verkehrspolitikern. Aber hält das über Jahre aufgebaute Image von Schnäppchenpreisen, Last-Minute-Angeboten und Billigfliegern eigentlich einer kritischen Überprüfung stand?

Der Verkehrsclub Deutschland und der Verkehrsclub Schweiz haben unabhängig voneinander die Preise verglichen – in den meisten Fällen ist die Zugfahrt die günstigere Alternative. Und dabei sind die versteckten Kosten – die in der Werbung der Fluggesellschaften nicht oder nur im Kleinstgedruckten auftauchen – noch gar nicht mitgerechnet: Gepäckzuschläge, Servicegebühren und Fahrkarte oder Taxi für den Transfer vom und zum Flughafen. Nebenbei: Nachtzugreisende sparen zusätzlich die Hotelübernachtung!

Auch der Zeitvorteil beim Flieger schwindet vor allem auf kurzen Strecken schnell, wenn man die tatsächliche Reisezeit mit Warten bei Check-In, Sicherheitskontrolle, Gepäckausgabe und die Fahrtzeiten ins Stadtzentrum mitbetrachtet. Verschiedene Beispiele auf einem Schweizer Blog. Wer früh am Ziel ankommen möchte, muss auch noch mitten in der Nacht aufbrechen. Ist eine komfortable Übernachtung auf Schienen demgegenüber wirklich „verlorene Zeit“?

Anstehen, Warten, Kontrollen – kaum jemand wird das Einchecken am Flughafen wirklich bequem empfinden – auch wenn die Reiselust wohl manches erträglich macht. Und während dem Flug dann enge Sitzreihen im Großraum und Triebwerkslärm (der mit Unterhaltungsprogrammen übertönt wird). Wirklich schlafen geht im Liegen dann doch besser.

Dass die Bahn in puncto Lärm und Schadstoffe die Umwelt deutlich weniger belastet, dürfte niemand wundern. Die Initiative UmverkehR bringt es auf den Punkt: Ein Personenkilometer verursacht im Zug zwischen 0,010 und 0,040 kg CO2, auf einem innereuropäischen Flug hingegen zwischen 0,347 und 0,508 kg CO2. Nur – der internationale Flugverkehr wird nach dem Kyoto-Protokoll bei den nationalen Klimazielen gar nicht berücksichtigt!

 

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