Nacht- und Urlaubsverkehr auf der Schiene (von K.-D. Bodack)

Zur aktuellen Situation

Die DB AG reduziert die Angebote im Nacht- und Urlaubsverkehr auf der Schiene. Auslöser: Betriebswirtschaftliche Verluste, unproduktive Fahrzeugeinsätze, antiquierte, nicht mehr marktkonforme Gestaltung und schlechter Instandhaltungszustand der meisten Fahrzeuge. Die beliebten und relativ neuen TALGO-Nachtzüge („InterCityNight“) der DB AG sind abgestellt. Flug- und Fernbusverbindungen, die auch aufgrund steuerlicher Regelungen relativ günstige Fahrpreise anbieten können, senken das generelle Preisniveau im Markt der Nachtzüge.
Soll dieser Verkehr auf der Schiene wieder belebt werden, so erscheinen Innovationen für bessere Kundenakzeptanz und wirtschaftlichere Produktionsweisen unausweichlich. In Großbritannien und Schweden fahren komfortable Nachtzüge mit staatlicher Mitfinanzierung: Dies sollte auch für Deutschland geprüft werden: Das Grundgesetz schreibt in Art. 87e Absatz 4 vor, dass der Bund auch dem Gemeinwohl dienende Verkehrsangebote außerhalb des Nahverkehrs garantiert: „Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt“: Diese Forderung des Grundgesetzes ist seit zwei Jahrzehnten nicht erfüllt, das Gesetz fehlt, ein Neuentwurf wird derzeit von Land Rheinland-Pfalz forciert, allerdings ohne auf den Nachtverkehr Bezug zu nehmen!

Anforderungen

  • Tägliche Verkehre zwischen Metropolen und Ballungsgebieten
  • Viele Direktverbindungen, möglichst kein Umsteigen
  • Saisonierte Züge zu und aus Urlaubsgebieten
  • Angebot von Tages- und Nachtzügen in die Urlaubsgebiete
  • Attraktive Fahrzeiten, wesentlich unter denen der Fernbusse
  • Preise stark differenziert, attraktiv sowohl für Tramper als auch für komfortbewusste Kunden,
  • dementsprechend einfache Großräume ähnlich wie in Bussen sowie Abteile mit Betten
  • Kostengünstige Produktion mit nur wenigen Fahrzeugtypen und hoher Produktivität,
  • die Laufleistungen je Fahrzeug von über 500 Tausend km/Jahr ermöglicht
  • Service mit Bistro, Frühstück, Getränke und Snacks mit Am-Platz-Service
  • ausreichend Platz für Gepäck, Fahrräder und Wintersportgeräte.

Lösungskonzepte

  • Züge verkehren in kombinierten Tages- und Nachläufen, damit werden hohe Laufleistungen und niedrige spezifische Kosten je Platzkm erreicht;
  • Zugbildung mit Halbzügen, die unterwegs getrennt und mit anderen vereinigt werden können, Netz mit Knoten, an denen sich jeweils zwei Züge zum Austausch von Halbzügen treffen,
  • Zugläufe saisoniert über die Metropolen hinaus in Urlaubsgebiete,
  • Trassenpreise reduziert, zumindest in den Nachtstunden;
  • Ausstattungen für weitreisende Kunden sowohl im Tages- wie auch im Nachtverkehr,
  • Nur drei Fahrzeugtypen: Großraumwagen, Abteilwagen und Servicewagen,
  • Großraumwagen mit stärker verstellbaren Sitzen, schräg angeordnet mit Fußauflagen und Gepäckregalen, etwa 70 Plätze je Wagen, ggf. Plätze für Fahrräder;
  • Abteilwagen partiell mit Seitengang, 4-5 und 2-3 Sitzen je Abteil hier mit Nasszelle und Mittelgang, hier beidseitig Abteile mit 2 Sitzen/Abteil, jeweils mit herabklappbaren Betten für jeden Sitzplatz, einige Kindersitze/Schlafkojen für Kinder/Jugendliche, ca. 40 Plätze/Wagen;
  • Servicewagen mit Rezeption, Bistro/Frühstücksraum, Behindertenplatz/WC, ggf. Fahrradplätzen: Damit sind in zwei Halbzügen mit 2 Servicewagen etwa 600 verkaufbare Plätze möglich.

Neuer Abteilwagen

  • Erhält auf halber Wagenlänge einen Seitengang mit fünf Abteilen, davon drei mit 5 Sitzen, 4 aus der Wand herausklappbaren Betten und einer Koje über dem Seitengang, zwei Abteilen mit 3 Sitzen, 2 Betten und Koje und verdeckter Waschgelegenheit, diese Ausstattungen entsprechen der des TUI-Ferien-Express;
  • Im anderen Wagenteil einen Mittelgang mit 12 Abteilen zu je 2 Sitzen, die zu einem Bett verwandelt werden können und einer Liege oberhalb des Fensters, bei Tag hochgeklappt: Diese Ausstattung gibt es als „Comfort-Liegewagen“ im TALGO-Nachtzug der DB AG, jedoch sollten die Abteile mit Schiebetüren abschließbar werden.
  • Diese Einrichtungen lassen sich u.a. im Europäischen Standard-Reisezugwagen B11 verwirklichen und können daher auch durch Neuausstattung vorhandener Wagen in relativ kurzer Zeit ohne aufwendige und risikobehaftete Neuentwicklungen realisiert werden.

Ein Gastbeitrag von Professor Karl-Dieter Bodack. Der Ingenieur und Designer hat u.a. den Interregio und den TUI Ferienexpress gestaltet.

2 Kommentare

  1. Pingback:Der TUI Ferienexpress – über Nacht in den Urlaub – Nachtzug retten

  2. Nach der zutreffenden Analyse fehlen in dem Konzept aber die Angebote fuer preisbewusste Einzelreisende (Einzelkojen) und fuer gehobene Ansprueche (kleine Dusche im Abteil).

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