Dem Nachtzug eine Zukunft geben

Die DB und der Bund müssten sich zum Nachtzugverkehr bekennen. Die Fahrgäste tun dies ja schon.

(Matthias Gastel, MdB Bündnis 90/Die Grünen)

Matthias Gastel ist seit dieser Legislaturperiode bahnpolitischer Sprecher für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied im Deutschen Bundestag. Neben den Bahnthemen beschäftigt er sich mit den Themen rund um die Nahmobilität (Carsharing, Radverkehr, Zufußgehen) sowie der Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr. Für nachtzug-retten.de hat er einige Fragen beantwortet:

Ist das Nachtzugangebot der DB noch zeitgemäß?

In der gegenwärtigen Form: Nein. Das Angebot muss mehr an die Kundenbedürfnisse angepasst werden. So gibt es zu wenige Einzelkabinen. Wenn vorhanden, sind diese meist weit im Voraus ausgebucht. Und auch das Cateringangebot ist verbesserungswürdig. Ein weiteres wichtiges Thema ist eine sinnvolle Vertaktung. Niemand möchte zur späten Abend- oder frühen Morgenstunde lange auf seinen Anschlusszug warten müssen.

Was sind die Hintergründe der aktuellen Kürzungen?

Laut DB sind die aktuell gestrichenen Verbindungen defizitär, weil die Kosten zu hoch sind. Ein Nachfrageproblem sieht selbst die DB nicht. Dies mag richtig sein für die Verbindung Berlin-Paris. Hier sind in der Tat die Kosten zu hoch, auf der französischen Seite liegen diese 70% über den Kosten auf der deutschen Seite. Ein profitabler Nachtzugverkehr ist auf dieser Grundlage nur schwer darstellbar. Andererseits muss man aber auch sehen, dass die DB seit Jahren nicht mehr in ihren Nachtzugwagenpark investiert hat und in Folge dessen nun die schwindende Anzahl der zur Verfügung stehenden Nachtzugwagen eine Verkleinerung des Angebots erfordert. Hier zeigt sich, dass dem Nachtzug offensichtlich bereits seit längerem im DB Konzern keine Zukunft mehr gegeben wird.

Welche Möglichkeiten hat der Bund, auf die Unternehmenspolitik der DB Einfluss zu nehmen?

Der Bund sollte sich einerseits gegenüber der DB Netz dafür einsetzen, dass die Trassenpreise für Nachtzugverkehre gesenkt werden, um einen profitablen Betrieb zu ermöglichen. Andererseits sollte der Bund als hundertprozentiger Eigentümer des betreibenden Unternehmens DB Fernverkehr darauf hinwirken, dass das Produkt aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wird. Die DB Fernverkehr muss dringend in ihren Wagenpark investieren und den Kunden einen angemessenen Service bieten.

Darüber hinaus kann und sollte der Bund dafür sorgen, dass Wettbewerbsverzerrungen abgebaut werden. So ist der internationale Flugverkehr von der Mehrwertsteuer befreit, die Bahn nicht. Und das Flugbenzin ist noch immer steuerbefreit, während Bahnen Energiesteuern und EEG-Umlage zahlen.

Sehen Sie Chancen, dass es in Zukunft wieder mehr und bessere Nachtzüge gibt? Was müsste dafür getan werden?

Natürlich sehe ich eine Zukunft für die Nachtzüge. Die DB und der Bund müssten sich zu diesem Produkt bekennen. Die Fahrgäste tun dies ja schon, es handelt sich hier nicht um ein Nachfrage- sondern um ein Angebotsproblem.

Vielen Dank!

 

2 Kommentare

  1. Lieber Herr Gastel,
    es wäre wirklich toll, wenn die DB, so nicht das ganze bisherige Angebot, so doch wenigstens ein, zwei Hauptlinien erhält. ich hoffe, Sie und auch noch andere aus anderen Parteien schaffen das.
    Beste Grüße! G.

  2. Lieber Herr Gastel, ich wünsche guten Erfolg beim Engagement für den citynightline, ich hoffe, das klappt und sie erhalten Unterstützung von anderen quer durch die Parteien. Beste Grüße G.

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